Paradox of Choice

Barry Schwartz behauptet in seinem Buch “Paradox of Choice”, dass eine große Auswahl an Möglichkeiten Menschen eher unglücklich als Glücklich macht. Als Beispiel wird ein Experiment angeführt, wo Menschen in einem Geschäft Marmelade probieren konnten. Einmal standen 24 Sorten zur Wahl, einmal 6 Sorten. Im zweiten Fall haben 30% der Kunden eine Marmelade gekauft, im ersten nur 3. Barry Schwartz behauptet also, es sei sinnvoll, sich bei den wichtigen Lebensbereichen Optionen offen zu lassen, und bei den unwichtigen keine Option zu haben. Mönche zählen statistisch zu den glücklichsten Menschen (kennt jemand einen Beleg?), vielleicht weil sie weniger Optionen haben, wie sie Ihr Leben gestalten? Ich denke, dass es nicht die Möglichkeiten sind, die einen unglücklich machen, sondern die Komplexität, die einen Menschen stresst. Wenn man eine Wahl hat, dann kann es sein, dass es eine Menge Pros und Contras gibt, die es zu beachten gilt. Wenn man dann noch in Zeitnot ist, dann entsteht über die Komplexität aus einer Wahlmöglichkeit Stress. Man kann diesen Stress umgehen, indem man manche Entscheidungen automatisiert oder delegiert. Bei unwichtigen Entscheidungen kann man einfach den Zufall entscheiden lassen. Bei anderen Fragen kann man einen Computer benutzen (günstige Angebote) oder jemanden beauftragen. Mehr Automatisierung hat auch den Vorteil, dass man Stress vermeidet, der durch das Gefühl, etwas vergessen zu haben entsteht.

Was ist eigentlich Glück?

Es ist wohl nur eine Erkenntniss, die den Unterschied zwischen einem “normalen” und einem “einfachen” Leben ausmacht:

Nachhaltig glücklich machen aktive Beziehungen, bewusste Erlebnisse und Tätigkeiten, die einen ausfüllen.

Das möchte ich ein Wenig erklären: Menschen sind ein Ergebnis der Evolution. Sie haben neben der Grundausstattung von Lebewesen wie Gefühle, Emotionen und Reiz-Reaktionsmechanismen (Limbisches System) noch als “Aufsatz” einen Verstand, bewusstes Denken (Neocortex, Denkhirn). Andere soziale Säugetiere haben dies auch. Der Verstand ist in der Evolution natürlich später entstanden als der einfach gestrickte nicht bewusste Teil des Gehirns. Der alte Teil des Gehirns funktioniert zuverlässiger, auch bei Schmerzen, Unterzuckerung u.s.w. Er ist auch schneller, das Gefühl ist schon da, bevor der Verstand ein Urteil getroffen hat. Es gibt viele Situationen, in denen der Verstand “ausgeschaltet” wird und der nicht bewusste alte Teil des Gehirns die Kontrolle übernimmt. Starke Gefühle wie Angst kommen aus der archaischen Grundausstattung. Das limbische System dominiert, beeinflusst das Denken mehr als der Verstand die Gefühle beeinflussen kann. Wie alles in unserem Leben sind auch unsere Gefühle wie Glück letztlich Ergebnis der Evolution. Glück ist ein Belohnungssystem für Lebewesen. Ein Mensch kann gut den Verstand ausgeschaltet lassen und sich ganz den Belohnungen des Limbischen Systems hingeben (Hedonisten :) ). Trotzdem kann der Verstand ein befriedigendes Gefühl auslösen, etwa wenn man lange konzentriert einer kreativen Tätigkeit nachgegangen ist (Flow). Ein Lebewesen wird mit Glück (Hormone) belohnt, wenn es dem Evolutionsziel (z.B. Weitergabe der Gene, Überleben) gedient hat. Gefühle wie Glück sind so angelegt, dass sie nicht lange dauern, um die Motivation nach mehr zu erhalten. So geht das Glücksgefühl, das man z.B. beim Kauf eines Gegenstandes erleben mag, schnell vorbei. Der Besitz dieses Gegenstandes macht dann nicht mehr Glücklich, da Gewöhnung einsetzt. Menschen sind wie die anderen Tiere mit einem Neocortex auch soziale Wesen. Beziehungen sichern das Überleben eines sozialen Wesens und werden mit einem Glücksgefühl belohnt. Wenn man vor langer Zeit jemanden kannte wird dies natürlich nicht belohnt, sondern nur wenn eine aktive gepflegte Freundschaft “erlebt” wird. Letztlich sind es also Erlebnisse, die Glück auslösen. Das Glücksgefühl ist so alt, es kennt den Euro nicht, und auch keine andere Währung :) . Das heißt, das Glücksgefühl ist unabhängig davon, wie teuer ein Erlebnis ist.  Es ist ein auch durch die Werbung suggerierter Trugschluss, dass Menschen mit vielen teuren Gegenständen glücklicher sind. Menschen ohne Existenzangst sind glücklicher als Menschen, die sich sorgen um die Zukunft machen. Ein teures Auto auf Kredit nimmt einem nicht die Existenzangst, es erhöht sie. Ziel eines einfachen Lebens ist es, im Einklang mit dem “Menschsein” zu leben, und in diesem Blog möchte ich darüber berichten.