Entrümpeln

Küche entrümpeln: 80 % der Gadgets brauchst du nicht

2026-06-10 · 638 Wörter

Irgendwo in deiner Küche gibt es wahrscheinlich eine Schublade, die sich kaum öffnen lässt. Drin: ein Ananasschneider, den du einmal benutzt hast. Ein Eierkocher, obwohl ein Topf dasselbe kann. Vielleicht ein Spiralschneider aus der Phase, als du drei Wochen lang Zucchininudeln gegessen hast. Die Schublade klemmt, du drückst fester, irgendwas verhakt sich – und du weißt genau, dass 80 Prozent des Inhalts dort einfach nur lagern.

Das Pareto-Prinzip in der Küchenschublade

Das Pareto-Prinzip besagt, grob gesagt, dass 20 Prozent der Ursachen 80 Prozent der Ergebnisse liefern. Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto beschrieb das ursprünglich für Bodenbesitz – aber die Idee lässt sich auf vieles übertragen, auch auf Küchenwerkzeug. In der Praxis bedeutet das: Mit einem Kochmesser, einem Schneidebrett, einem guten Topf und einer Pfanne bereitest du die meisten Mahlzeiten zu, die du wirklich kochst. Der Rest ist Zubehör für Ausnahmen – oder für Situationen, die nie eintreten.

Das Problem ist nicht der Kauf selbst. Das Problem ist die Entscheidungslogik dahinter: „Könnte ich irgendwann mal brauchen" klingt vernünftig, führt aber zu Schubladen, die klemmen. Jedes Gerät, das du selten benutzt, kostet dich trotzdem Platz, Aufmerksamkeit und manchmal auch Reinigungsaufwand.

Was wirklich gebraucht wird – und was nicht

Eine kurze Orientierungshilfe. Die Liste ist nicht absolut – Haushalte sind unterschiedlich, und wer täglich backt, denkt über eine Küchenwaage anders als jemand, der nur kocht.

Behalten (meistens sinnvoll):

  • Ein gutes Kochmesser (ein einziges, gepflegt)
  • Schneidebrett aus Holz oder Kunststoff
  • Ein Topf mit Deckel, ein kleiner Stieltopf
  • Eine beschichtete oder Edelstahlpfanne
  • Reibe (Microplane oder ähnliches – vielseitig, klein)
  • Dosenöffner, Sparschäler, Zitronenpresse
  • Küchenwaage (wenn du backst oder Portionen abwiegen willst)

Kritisch hinterfragen:

  • Eierkocher: Ein Topf mit kochendem Wasser tut dasselbe.
  • Avocadoschneider, Erdbeerhuller, Mangoschnitt-Helfer: Ein Messer reicht.
  • Spiralschneider: Sinnvoll, wenn du ihn wirklich regelmäßig nutzt – sonst Platzverschwendung.
  • Elektrische Milchschäumer: Für manche tägliche Routine, für andere Schubladenleiche.
  • Waffeleisen, Crêpespfanne, Pastamaschine: Nur behalten, wenn du sie nachweislich mehrmals im Jahr herausholst.

Ersetzen oder vereinfachen:

  • Mehrere billige Messer → ein gutes Messer, das du schärfst
  • Viele Plastikdosen verschiedener Größen → drei bis vier Einheitsdosen, die stapeln
  • Spezialschneidebrett mit integriertem Auffangbehälter → normales Brett, Schüssel daneben

Wie du die Entscheidung triffst

Es gibt eine einfache Testfrage, die besser funktioniert als jede Methode: Wann habe ich das zuletzt benutzt? Nicht „wann könnte ich", sondern wann habe ich. Wenn du keine konkrete Erinnerung findest, ist das ein Hinweis. Kein Urteil, nur eine Information.

Eine andere Herangehensweise ist die sogenannte „Umzugsbox-Methode": Räume alles, dessen Nutzung du dir nicht sicher bist, in eine Kiste. Stell sie ins Lager oder in den Keller. Wenn du nach drei Monaten nichts vermisst oder aktiv danach gesucht hast, kannm die Kiste weg. Das klingt umständlich, hilft aber gegen die „könnte ja noch"-Logik, die das Einräumen verhindert.

Was KonMari – Marie Kondos bekannte Methode, die in den 2010ern durch ihr Buch „Magic Cleaning" populär wurde – richtig beschreibt: Du musst das Objekt in der Hand halten, um eine ehrliche Einschätzung zu bekommen. In der Schublade bleibt alles abstrakt.

Ein Einwand, den man nicht ignorieren sollte

Minimalismus in der Küche wird manchmal missverstanden als Askese: möglichst wenig, möglichst karg. Das ist nicht der Punkt. Wenn du leidenschaftlich kochst, Pasta selbst machst und das Waffeleisen jeden Sonntagmorgen herausholst – dann gehören diese Dinge zu deiner Praxis, nicht in die Abschaffungs-Liste. Die Frage ist nicht, ob du wenig besitzt, sondern ob du besitzt, was du tatsächlich nutzt.

Außerdem: Entrümpeln löst keine strukturellen Probleme. Wenn die Küche grundsätzlich zu klein ist oder die Aufbewahrung schlecht organisiert, hilft weniger Zubehör ein bisschen – aber nicht vollständig. Das sollte man realistisch einplanen.

Was bleibt: Eine Küche, in der du weißt, was drin ist und wo es liegt, funktioniert im Alltag einfach besser. Nicht dramatisch besser, nicht transformativ – aber spürbar. Die klemmende Schublade ist ein kleines Ärgernis, das sich beheben lässt. Meistens reicht ein freier Nachmittag.

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